Kamera / Dolly: Bernhard Staudinger / Mario Strk
Hemd genäht von: Sukie Katharina Polleros
Schauspieler: Eva Reidemeister / Mathias Windelberg
Produziert für die BAWAG Contemporary
Wir spielen nicht, versprochen
von Georg Oberhumer
Mit ihrer Ärmelhochkrempelei beschwört die BAWAG gute, ehrliche Handarbeit; jetzt auch in Ihrem Geldinstitut. Mathias Windelbergs Übersetzung der Geste war im jungen Ausstellungsraum der Bank zu sehen.
Performance I
Wenn's so richtig zur Sache gehen soll, dann tun wir es alle. Vor der Schlägerei oder der wahrhaftigen Arbeit mit bloßen Händen. Jetzt wird es dreckig. Die Gewissheit von Schmutz und Schweiß verlangt hochgekrempelte Ärmel. Wollen wir doch ein reines Hemd bewahren. Und weil wir alle die geräuschlose Geste kennen, macht sie auch ohne Aussicht auf tatsächliche Hackn Sinn. PolitikerInnen klappen sich die Ärmel über den Ellbogen und demonstrieren Arbeitswillen und Motivation. Seit kurzem üben sich auch die Angestellten der BAWAG in dieser symbolischen Disziplin; in der Werbung und in den Filialen. Sie versprechen damit eine "neue Art von Bank", in der die Dinge ordentlich angepackt und ehrliche Arbeit gemacht würde. Jetzt, nach dem die alte Bank Verlustgeschäfte verschwiegen hatte, haben die neuen AnalystInnen die Ärmel hochgeschlagen. Die KundInnen dürften sich vom imagetechnisch angeschlagenen Risikomanagement der BAWAG eine gewissenhaftere Bewertung der Performance (ist gleich prozentualer Wertzuwachs) möglicher Anlagen erhoffen.
Performance II
Dabei tragen sie alle Hemden oder Blusen. Keine T-Shirts, niemals ärmellos, keine Norwegerpullover und Netzleiberl kommen ohnehin nicht in Frage. Sie würden wieder etwas anderes bedeuten. Mit dem, was wir anziehen, teilen wir uns mit. Was und wie wir es tragen spricht über uns. Krempeln wir die Ärmel hoch oder nicht? Können wir das überhaupt? Was wird uns vorgeschrieben und aufgezwungen? Wer macht sie wo, wer trägt sie wann? Ahhh. "Kleidung ist Performance, dressing-up und dressing-down, tägliches Ritual." Mit diesem Satz wurde die Ausstellung der KünstlerInnengruppe Chicks on Speed im BAWAG Contemporary angekündigt. In der künstlerischen Performance wird aber nichts vorgespielt. Es wird erfahren und erlebt. Sie ist vergänglich und widerspricht im ersten Schritt dem Waren- und Objektcharakter bildender Kunst. Bis sie dokumentiert wird.
Performance III
Zeitgleich zu "Power Tools: for the remote controlled metaverse der Chicks" war in der BAWAG Videolounge "Unser Versprechen, übersetzt" zusehen. Er schüttelte die mühsam bis knapp vor die Hand aufgestrickten Ärmel brutal aus. Kamera: Bernhard Staudinger, Dolly: Mario Strk. Bis sie wieder ihre volle Länge haben. Hemd: Sukie Katharina Polleros. Er geht aus dem Bild und schleift die meterlangen Ärmel hinter sich her. Konzept und Schauspieler: Mathias Windelberg und Eva Reidemeister.


